Donnerstag, 20. November 2014

Lesekochbuch Bayreuth – Birgit Ringlein & Reiner Benker

Rezepte und Geschichten rund um den Gleeßtopf

Auch wenn es mich in Sachen Kochen und Backen häufig in die Ferne zieht und ich vor allem der Mittelmeerküche sehr zugetan bin, so gibt es doch immer wieder Zeiten in denen ich mich gerne auf traditionelle Gerichte meiner Heimat besinne. Gerade im Herbst, wo in vielen oberfränkischen Orten Kirchweih gefeiert wird, finde ich es besonders schön und heimelig, nach alten Rezepten meiner Großeltern zu kochen. Da geht es mir wie Birgit Ringlein und Reiner Benker, den Autoren des Lesekochbuchs Bayreuth, denn auch bei mir werden Kindheitserinnerungen wach, wenn Bratendüfte durch die Küche ziehen und das Wasser im “Gleeßtopf” kocht. Zur Erläuterung für alle Nicht-Oberfranken: “Gleeßtopf” ist der Topf, in dem die Klöße gekocht werden.

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Das eben erwähnte Lesekochbuch ist etwas ganz Besonderes. Zum einen gibt es mir die Möglichkeit, die traditionelle Küche Bayreuths mit meinen Hofer Rezepten zu vergleichen, denn in beiden Städten ist die oberfränkische Küche zuhause, es ist vieles ähnlich, aber man findet doch immer wieder regionale Unterschiede.

Die Gleeß (Klöße) werden in Bayreuth eigentlich genauso zubereitet, wie ich es kenne, vielleicht mit kleinen Abweichungen bei den Mengenangaben. So gab es kürzlich Klöße nach dem Bayreuther Rezept, und was soll ich sagen, es passt!

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Neugierig war ich auch auf die “Kerbassubbm” (Kürbissuppe), denn ich habe sie bisher ein klein wenig anders gemacht. Auch hier konnte mich das Ergebnis aus dem Bayreuther Lesekochbuch überzeugen, und ich werde demnächst öfter mal regional ein wenig “fremdgehen” Zwinkerndes Smiley

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Es gibt vieles, was ich ebenso zubereite, wie es die Autoren beschreiben, sei es die “Grießgleeßlasubbm” (Grießklößchensuppe), die “Pfannakungsubbm” (Pfannkuchensuppe oder Flädlesuppe), “Saura Zipfl” (saure Bratwürste aus dem Sud) oder “Sauerbrodn” (Sauerbraten), der auch bei uns mit “Reibkung” (Soßenkuchen) gemacht wird und einfach traumhaft schmeckt. Manche Gerichte kenne ich ähnlich, wie beispielsweise “Schnitzla” (Gemüsesuppe) ist ein Pendant zu unseren “Hofer Schnitz” (reichhaltiger Gemüseeintopf), die bei uns mit “Baggala” (Kartoffelpuffer) auf den Tisch kommen. Auch für diese Puffer gibt es ein Bayreuther Rezept, im Buch unter “Gabaggna Gleeß” zu finden.
Beim Blättern durch das schöne Buch kamen Erinnerungen hoch, und es wurden Sehnsüchte wach. Der “Kaapfm blau” (Karpfen blau) entspricht dem, was bei uns traditionell an Silvester früher gegessen wurde, und ein ähnliches Gericht, wie den “Wegglasbudding” (Brötchenpudding) hat meine Großmama früher oft zubereitet.
Auch mir völlig Neues konnte ich im Buch entdecken, und ich werde ganz sicher
den Bierbraten ausprobieren, ebenso wie die Bratwurstpfanne. Interessant klingt auch der “Graudsbrodn” (Krautsbraten), den ich auf jeden Fall nachkochen möchte. Es wird nicht nur die Alltagsküche gezeigt, sondern auch viele Festtagsgerichte werden in diesem Buch vorgestellt, so dass für das leibliche Wohl in allen Lebenslagen das Passende dabei ist.

Aber wieso “Lesekochbuch”? Zwischen den über 90 Rezepten findet man reichlich Lesestoff, in Form von kleinen Anekdoten, Gedichten, Erinnerungen und Geschichten rund um die schöne Stadt Bayreuth und ihre Bewohner, damals und heute.

Wie heißt es so schön: “Das Auge isst mit”, und bei diesem Buch hat es auch reichlich Gelegenheit dazu, denn viele Rezepte sind mit ansprechenden Fotos ergänzt, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Auch ein paar kulturelle Eindrücke bietet das Lesekochbuch, beispielsweise ist das Bayreuther Festspielhaus, in dem die berühmten Wagner-Festspiele stattfinden, auf dem Vorsatzpapier zu sehen. Das Umschlagbild zeigt den Sonnentempel und einen kleinen Ausschnitt der Orangerie aus der Bayreuther Eremitage. Bayreuth ist eine Bierstadt, und so kann man auch eine Außenansicht des Maisel’s Brauerei- und Büttnereimuseums im Buch betrachten.

Es gäbe noch viel über das Buch zu erzählen, aber noch besser ist natürlich, es sich selbst anzusehen, denn für alle, die regionale Kochbücher lieben und vielleicht sammeln, ist dieses ein Schatzkästlein. Nicht nur Oberfranken, sondern auch Auswärtige können sich ruhig trauen, denn für alles Mundartliche  ist immer eine Übersetzung dabei.

Ein besonderes Schmankerl ist nämlich das “Bareitha Wörterbuch” (Bayreuther Wörterbuch), ein Mundart-Wörterbuch, das sich an die Rezepte anschließt. Hier werden mundartliche Begriffe von “Aach” (Auge) bis “Zwaawos” (Zweierlei) erklärt. Vieles kennt man auch als Einheimischer nur noch von früher, und wenn man es in dieser originellen Zusammenstellung liest, muss man unwillkürlich schmunzeln, ganz besonders beim Abschnitt “Schimpfwörterbuch”. Nur Eingeweihte wissen, was beispielsweise ein “Drudscherla” (langsames, naives Wesen) ist. oder was man unter einem “Grischbala” (dürrer, hagerer Mensch) versteht.

Der November neigt sich dem Ende zu, und Weihnachten rückt langsam aber stetig näher, und so wäre es naheliegend, das Lesekochbuch Bayreuth als hübsche und originelle Geschenkidee in Betracht zu ziehen, vielleicht für junge Oberfranken, damit sie die Traditionen ihrer Heimat in Küche und Sprache nicht ganz aus dem Gedächtnis verlieren oder für Kochbuchsammler, vielleicht auch für gebürtige Oberfranken, die mittlerweile anderswo leben, als schöne und schmackhafte Erinnerung an die alte Heimat. Ideen gibt es viele, und das Lesekochbuch Bayreuth ist für jede Küche und jedes Bücherregal eine vielfältige Bereicherung.

Herzlichen Dank an den Sutton Verlag und an Birgit Ringlein für das schöne Rezensionsexemplar.

Donnerstag, 6. November 2014

Unsere Friaul Rezepte – Gisela Hopfmüller, Franz Hlavac


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Wie das Vorwort dieses Buches verrät, hat das Autorenehepaar Gisela Hopfmüller und Franz Hlavac vor einigen Jahren das Friaul zu seiner Wahlheimat erkoren.Schon bald nach dem Bezug ihres Hauses in Varmo fingen die Autoren an, sich intensiv mit dem Friaul und seiner Küche zu beschäftigen. Es ist nicht ihr erstes Friaulbuch, denn schon vorher sind zwei Bücher über diesen Landstrich, die Menschen, die Traditionen und die Küche dort erschienen, doch während es sich bei den ersten beiden Bänden eher um Reise-Ratgeber, Fotobände, Landschafts- und Kulturbeschreibungen sowie Einkaufsratgeber handelt, ist dies hier ein reines Kochbuch.
Das Autorenpaar hat eine große Auswahl an Rezepten zusammengetragen, teils von Restaurants oder Trattorien, teils aus friulanischen Privathaushalten, ergänzt durch Ideen aus der eigenen Küche. Alle Gerichte im Buch wurden den vier Jahreszeiten zugeordnet, denn die Küche des Friauls konzentriert sich auf regionale und saisonale Zutaten. Zu jedem der gezeigten Gerichte gibt es auch gleich die passende Weinempfehlung.

Beim ersten Durchblättern ist mir aufgefallen, dass ein Großteil der Rezepte sehr einfach ist und mit wenigen Zutaten auskommt. Das ist typisch für die Küche der Region, denn diese ist sehr ursprünglich und puristisch, dabei gehaltvoll und vielfältig und trotz einer gewissen Üppigkeit auch gesund.

Bereits beim ersten Betrachten der Fotos habe ich eine ganze Reihe Markierungen bei den Rezepten angebracht, die ich unbedingt ausprobieren möchte. Besonders die Gemüsezubereitungen und die Fischgerichte haben es mir angetan, denn das sind die Themen, die ich besonders mit Italien verbinde. Indem ich italienisch koche, kann ich mir einen Hauch von Süden in meine eigene Küche holen und von sonnigen Urlaubstagen träumen. Als Inspiration dazu sind die im Buch gezeigten Bilder der Fotografin Mayda Mason bestens geeignet.

Zuerst habe ich ein Gericht ausprobiert, das sehr schnell und einfach zubereitet ist und das wundervoll schmeckt. Die benötigten Zutaten hatte ich alle im Haus, so dass ich gleich loslegen konnte.
Obwohl die Zucchininudeln im Buch stellvertretend für den Sommer stehen, hat uns dieses Pastagericht auch im Herbst sehr gut geschmeckt, und es ist gleich auf meine Liste der Rezepte gerutscht, die ich zu Rate ziehe, wenn es schnell gehen muss, denn auch dann braucht man auf Genuss nicht zu verzichten. 
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Typisch italienisch sind für mich auch die flachen, dabei aber ziemlich gehaltvollen Kuchen, die nicht nur bei der Kaffeetafel am Nachmittag in Erscheinung treten, sondern auch häufig, in Kombination mit einem kräftigen Espresso, als Dessert serviert werden. Daher habe ich mich spontan für einen herbstlichen Haselnusskuchen entschieden. Auch für ihn benötigt man nur wenige Zutaten, und er ist sehr schnell zubereitet. Er schmeckt richtig gut aromatisch nach Nüssen und ist innen noch schön saftig.

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Einen kleinen Wermutstropfen gibt es jedoch für mich, denn ich habe ein Problem mit der Beschaffung einiger Zutaten. Was man im Friaul sicher leicht beziehen kann, ist in meiner Region leider nicht zu kriegen. In Großstädten tut man sich damit sicher leichter, aber ich habe keine Ahnung, woher ich Chicoréesprossen, Hopfensprossen, Stängelkohl oder Leimkraut nehmen sollte. Auch italienische Wurst, wie Cotechino oder Pitina, werde ich leider hier nirgends kaufen können.

Aber es sind ja noch genügend andere Rezepte im Buch, die künftig meinen Speiseplan bereichern. Ich freue mich auf verschiedene Varianten von Teigtaschen und Risotto, auf gefüllte Calamari und geschmorten Seeteufel, um nur einige der Leckereien zu nennen. Sicher werde ich auch die Grappakirschen ausprobieren, und ich würde nur allzu gerne den Nusslikör ansetzen. Hier werde ich jedoch wieder an meine Grenzen stoßen, denn dafür bräuchte ich grüne, unreife Walnüsse. Aber vielleicht  findet sich dafür ja eine Lösung, denn das Ergebnis sieht sehr verführerisch aus.
Insgesamt waren meine ersten Eindrücke zu diesem Kochbuch überzeugend, und es werden noch viele weitere friulanische Gerichte folgen, die ich nachkochen oder backen möchte.



Herzlichen Dank für die Überlassung eines Rezensionsexemplars an den Pichler Verlag und die Agentur Literaturtest.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Schnelle Kekse–Angelika Kirchmaier

Backen für Eilige

Mit dem Herbst kommt die Zeit, wo man wieder mehr Zeit drinnen verbringt. Was gibt es Schöneres, als in der Küche neue Leckereien auszuprobieren, und spätestens zum Martinstag sollen auch die ersten Plätzchen fertig sein, schon als Einstimmung auf die Adventszeit.
Aber eigentlich haben Kekse bei uns das ganze Jahr über Saison, nur eben dann ohne die weihnachtlichen Gewürze, und unterm Jahr soll es möglichst auch schnell gehen. Zu meinem geliebten Espresso mag ich immer eine süße Kleinigkeit, und so kam mir das Buch “Schnelle Kekse” natürlich gerade recht.

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Als ich dann noch entdeckt habe, dass dieses Buch von Angelika Kirchmaier ist, war ich besonders neugierig, denn von ihr hat mich schon im letzten Jahr “Brot backen für Eilige” begeistert. Wer die Autorin kennt, weiß ihr Konzept zu schätzen, denn sie legt nicht nur Wert auf Genuss und gutes Aussehen ihres Gebäcks, sondern achtet dabei auch immer auf möglichst gesunde und frische Zutaten.
Es lohnt sich, auch auf ihrer Website: Angelika Kirchmaier vorbeizuschauen, denn da stellt sie einige ihrer feinen Rezepte zur Verfügung.

Genuss und Gesundheit müssen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern können gut harmonieren, wie man an den neuen leckeren Keksrezepten sieht, die von Angelika Kirchmaier in diesem Buch gesammelt wurden.
Klar, auch diese Kekse sind süß, und man sollte auch hiervon lieber in kleinen Mengen genießen, denn auch Nüsse und Trockenfrüchte sind üppig. Aber Angelika Kirchmaiers schnelle Kekse sind nicht so süß und so fett wie herkömmliche Plätzchen und haben daneben noch viele gesunde Inhaltsstoffe zu bieten, denn auf die Qualität der Zutaten wird hier großer Wert gelegt.

Schon beim Durchblättern und Betrachten der Rezepte merkt man, dass die kleinen Gebäckteile zwar süß, aber nicht extrem klebrig sind. Die Zuckermenge ist bei den Rezepten weitaus geringer als man das von herkömmlichen Zutatenlisten kennt oder wird auch manchmal durch Honig ersetzt, und die Süße wird hier auch häufig durch Zugabe von Trockenfrüchten erreicht.
Eines haben die Kekse gemeinsam: sie gehen alle richtig schnell. Wie man mit wenig Aufwand tolle Ergebnisse erzielt, dazu gibt es reichlich Tipps.

Wer bisher der Meinung war, gesundes Gebäck würde langweilig aussehen, wird hier schnell eines Besseren belehrt. Mir gefällt sehr gut, dass manchmal getrocknete Blütenblätter als Farbtupfer genutzt werden. Sparsam eingesetzte Zuckerherzchen oder Glasuren sehen gut aus, ohne dabei jedoch allzu sehr ins Gewicht zu fallen. Die liebevoll arrangierten Fotos zeigen, dass man auch gesunde Plätzchen vielfältig dekorieren kann, und durch eine gekonnte Verpackung werden sie noch zusätzlich aufgewertet. Mit Phantasie, etwas Tortenspitze und hübschen Behältern hat man auch schnell ein hübsches Geschenk geschaffen, das dem Empfänger sicher Freude bereiten wird.

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Ein Gebäck, das ich das ganze Jahr über sehr gerne esse und das für mich, besonders nach einem guten italienischen Essen, einfach dazu gehört, sind Cantucci. Die kleinen knusprigen Mandelschnitten findet man mittlerweile in den meisten gut sortierten Lebensmittelmärkten zu kaufen. Aber im vorliegenden Buch ist nicht nur ein Rezept enthalten, sondern es gibt mehrere Varianten der italienischen Spezialität. Ich habe mich spontan für die Orangen-Cantucci entschieden, und die Herstellung ist wirklich so einfach und schnell, dass ich künftig auf jeden Fall die selbst gebackene Variante bevorzugen werde, denn diese Kekse sind viel leckerer und aromatischer als alle Cantucci, die ich bisher gekauft hatte. Das Ergebnis hat mich wirklich begeistert, und ich werde natürlich auch die anderen Sorten demnächst ausprobieren. Es gibt im Buch noch Anregungen für Kaffee-Cantucci, Nuss-Cantucci und “Sünden-Cantucci”.

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Aber auch Kipferl, Häufchen, Busserl, Cookies, Streuselkekse und vieles mehr sind in reicher Auswahl vorhanden, immer mit vielen Tipps, wie man sie am besten in Form bringt und schön anrichtet.

Im Anhang findet man eine kleine Warenkunde, wo man Wichtiges und Interessantes über die benötigten Zutaten erfährt, außerdem eine Pannenhilfe, wenn mal etwas nicht auf Anhieb gelingt, dazu auch viele Ratschläge für besondere Ernährungsformen, beispielsweise für Veganer, Allergiker und Diabetiker. Trotz freiwilliger oder gezwungener Einschränkungen bei der Auswahl wird man in diesem Buch schnell fündig, denn die Rezepte sind jeweils deutlich gekennzeichnet, für wen sie geeignet sind.

Sehr gut und praktisch finde ich, dass sich im Anhang eine Liste mit den Nährwertangaben zu allen Rezepten anschließt. So hat man gleich den Überblick, wie es bei den einzelnen Keksen mit den Kalorien, dem Fettgehalt und den Broteinheiten  aussieht.

Da es in diesem Buch auch viele Sorten mit weihnachtlichen Gewürzen auszuprobieren gibt, wird es von mir natürlich verstärkt in den nächsten Wochen zu Rate gezogen, aber eben nicht nur in dieser Zeit, sondern es ist ein Begleiter durch alle Jahreszeiten und für sehr viele Gelegenheiten, für alle, die sich selbst oder anderen eine kleine, süße (aber nicht zu süße) Freude machen möchten.

Herzlichen Dank an Literaturtest und den Pichler Verlag, für die Überlassung eines Rezensionsexemplars.

Montag, 13. Oktober 2014

Italien vegetarisch – Claudio Del Principe (Hg.:Katharina Seiser)


SAM_2342Dieses wunderschön aufgemachte Buch wendet sich nicht nur an Vegetarier, sondern an alle, die gerne italienisch kochen und essen, dabei aber öfter mal auf Fleisch verzichten möchten. Da ich einerseits die italienische Küche sehr liebe und größtenteils vegetarisch koche, war dieses Konzept für mich natürlich gleich doppelt interessant. Sieht man sich in Lebensmittelgeschäften und Märkten die Regale an, stellt man fest, dass immer mehr vegetarische “Ersatzprodukte” angeboten werden, manche mehr, manche weniger sinnvoll in der Zusammenstellung, die meisten aber sehr teuer. Da schließe ich mich doch lieber der Aussage des Autors im Vorwort an, wo er empfiehlt, lieber italienisch zu kochen, statt zu exotischen Ersatzprodukten zu greifen. Die italienische Küche hat gerade bei den Gemüsegerichten eine große Vielfalt zu bieten, denn sie orientiert sich an alten Traditionen und verwendet zum Großteil Zutaten, die regional und saisonal gerade verfügbar sind. Italienische Gerichte können ländlich rustikal, aber auch jederzeit elegant und raffiniert daherkommen, wobei sich auch häufig alle diese Eigenschaften in einem Rezept vereinen. Vieles ist so einfach in der Zubereitung und erhält seine Raffinesse gerade durch die Verwendung natürlicher und sonnengereifter Zutaten aus der näheren Region. Auch wenn wir nicht in Italien leben, können wir uns den Genuss und die südländische Heiterkeit zumindest ansatzweise auf den heimischen Tisch holen. Mit diesem Kochbuch hat man hierzu einen idealen Begleiter.
Schon die Einteilung ist meines Erachtens sehr gelungen. Alle Rezepte sind nach den Jahreszeiten geordnet, dazu gibt es auch noch ein großes Kapitel, das mit “Jederzeit” überschrieben ist und Rezepte enthält, die das ganze Jahr über Saison haben. Hier findet man auch eine Menge an Basisrezepten, die man dann mit frischen Zutaten der jeweiligen Jahreszeit ergänzen und abändern kann.
In jedem dieser fünf großen Kapitel findet man jeweils einen Abschnitt für
  • Antipasti, Brot und Pizza
  • Suppen
  • Salate und Gemüse
  • Pasta, Polenta und Reis
  • sowie für Süßes.
Neben der Rezepte-Übersicht gleich am Anfang des Buches, wo alle Gerichte nach den oben erwähnten Punkten geordnet sind, findet man im Anhang ein Register, wo man die Rezepte nach Hauptzutaten aussuchen kann. Hier gibt es außerdem noch ein Glossar mit Erklärungen der wichtigsten Begriffe.
Die Rezepte sind größtenteils einfach nachzumachen und beschränken sich auf wenige, hochwertige Zutaten. Hält man sich an die Erläuterungen der Zubereitung und die empfohlenen Garzeiten, wird man ein wohlschmeckendes Ergebnis erhalten. Gerade die Qualität einer frisch gekochten Tomatensoße steht und fällt mit der Garzeit, denn sie will lange köcheln. Mit den tollen Basisrezepten und den ergänzenden Tipps gelingt auch ohne große Vorkenntnisse ein perfektes Risotto oder eine Polenta mit der idealen Konsistenz.
Die meisten Rezepte basieren auf dem Grundsatz “weniger ist mehr”. Die Zusammenstellung der Zutaten ist oft überraschend und bietet erstaunliche Geschmackserlebnisse (z.B. schmale Bandnudeln mit Artischocken und Erbsen oder Polenta mit Wirsing und Bohnen) Anhand der detaillierten Erklärungen, die ein gutes Ergebnis versprechen, kriegt man direkt Lust, einmal wieder frische Nudeln selbst zu machen. An den im Buch enthaltenen Pizzarezepten sieht man, dass es gar nicht vieler besonderer Zutaten bedarf, um ein schmackhaftes Gericht zu zaubern. Da reichen oft schon ein paar Tomaten und eine Kugel Mozzarella.
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Sehr lecker ist zum Beispiel dieses Zucchinigemüse in Tomatensoße. Die Empfehlung, das Gericht mit pochierten Eiern zu servieren, hat uns sehr gut geschmeckt und kommt nun häufiger in dieser Art auf den Tisch.
Nicht vergessen darf man auch die vielen Ideen für eingelegtes oder konserviertes Gemüse.
Schöne Vorschläge gibt es auch in den “süßen” Kapiteln. Wer es üppiger mag, wird sicher die süßen Krapfen mit Rosmarin und Anis ausprobieren, einen Mandel-Schoko-Kuchen oder weiche Amaretti backen. Aber manchmal reicht vielleicht auch etwas Leichtes zum Dessert, wie Kaffeeparfait, Zitronengranita oder gefüllte Pfirsiche. Es gibt auch eine Anleitung, wie man Limoncello selbst ansetzt. Da ich diesen Zitronenlikör liebe, werde ich das sicher einmal machen und mir mit dem Zitronenaroma hoffentlich einen Hauch von Sommer in die kalte Jahreszeit retten. Es gäbe noch so viel zum Buch zu erzählen, und die vielen Farbfotos zu den Rezepten machen Appetit auf mehr.
Die ergänzenden Ratschläge zu den Rezepten animieren dazu, selbst Neues auszuprobieren. Immer findet man auch Empfehlungen für Getränke, die besonders gut zu den Gerichten passen.
Eine sehr interessante Sache, die ich demnächst unbedingt ausprobieren möchte, ist der Ansatz und die Pflege von Mutterhefe, durch die man einen Teil der gekauften Hefe in den Brot- und Pizzarezepten ersetzen kann. Ich bin gespannt auf das Ergebnis und werde berichten, wie es geklappt hat.
Hier hat man einerseits ein vegetarisches, italienisches Grundkochbuch, zugleich aber auch eine Fülle von neuen Rezepten und Ideen.
Auch die äußere Aufmachung dieses Kochbuchs möchte ich nicht unerwähnt lassen. Das Konzept ist sowohl inhaltlich als auch von der Ausstattung her sehr gelungen, und der Leinenrücken des Einbands unterstreicht die Wertigkeit dieser Ausgabe. Es gibt auch drei Lesebändchen im Buch, sinnigerweise in den italienischen Farben gehalten.
Vielen Dank an
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für das Rezensionsexemplar und die Möglichkeit, die vielen schönen Rezepte auszuprobieren.

Montag, 22. September 2014

“rockthekitchen”–Sylvia Reiter

Dieses Buch fällt schon durch sein auffallendes Format aus dem Rahmen, denn es ist hoch und schmal, was durch den schwarzen Buchrücken optisch noch verstärkt wird.
Schon beim ersten Durchblättern war ich fasziniert von den tollen Aufnahmen, die übrigens alle von der Autorin selbst stammen.

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Zuerst war da ein Blog, wo Sylvia Reiter seit 2010 ihre kreativen Rezepte teilt und daneben noch sehr interessante Reiseberichte veröffentlicht. In diesem Blog vereint die Autorin ihre Leidenschaften für gutes Essen, inspirierende Reisen und Fotografie, und letztendlich ist nun ein Buch entstanden, das ihre besten Rezepte enthält. Viele der gezeigten Anregungen hat sie offensichtlich von ihren Reisen mitgebracht, und die ausdrucksstarken Fotos sprechen ihre eigene Sprache.

Das Inhaltsverzeichnis teilt die Rezepte übersichtlich in fünf Kapitel auf, die wären: 1. Breakfast, 2. Lunch, 3. Teatime, 4. Dinner und 5. Everytime. Selbstverständlich kann man alle Gerichte auch zu anderen Zeiten genießen; die Aufteilung ist nur zur ersten Orientierung gedacht. Wer seine Rezepte lieber nach Zutaten auswählt, findet auch hierzu ein übersichtliches Register im Anhang. Sehr gut gefällt mir, dass die vegetarischen und veganen Rezepte überwiegen und extra gekennzeichnet sind, so dass man sie auf den ersten Blick erkennt, wie auch alle glutenfreien und laktosefreien Rezepte.

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Die Auswahl der präsentierten Gerichte ist vielfältig, und schon bei der ersten Betrachtung ist mir ein Rezept für Ciabatta aufgefallen, denn auf dem Foto wird dieses Brot in einem gusseisernen Topf gezeigt. Da ich genau so einen Topf in meiner Küche verwende, war dies auch das erste Rezept, welches ich ausprobieren wollte. Ich habe mich genau nach der Anleitung gehalten, lediglich die getrockneten Tomaten habe ich weggelassen, denn damit können sich Mann und Tochter nicht recht anfreunden. Der vorbereitete Teig muss 12 bis 16 Stunden gehen, was sich praktischerweise über Nacht erledigt hatte, und ich muss sagen, die Herstellung dieses Brotes war, vom ersten bis zum letzten Arbeitsschritt, ein Kinderspiel!

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Es ist nicht nur wunderbar gelungen, sondern hat auch ganz hervorragend geschmeckt, was natürlich die Hauptsache ist. Diese Art des Brotbackens ist prima, und ich werde das auch mit anderen Rezepten ausprobieren.

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Vorgestern gab es dann die mit Couscous und Feta gefüllten Zuccini, denn auch dieses Rezept hat mich geradezu angelacht. Auch hier gestaltete sich die Umsetzung der Angaben sehr einfach, und das Ergebnis war absolut lecker.

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Mir persönlich gefällt die vielfältige und internationale Rezeptauswahl, und ich finde die bunte Zusammenstellung von Koch- und Backrezepten sehr gelungen. Hier findet man Shortbread, Cookies und Brownies ebenso wie frisch gemachte Lachs-Bärlauch-Ravioli. Asiatisches, wie Panang Curry oder diverse Sushi-Varianten präsentieren sich in trauter Nachbarschaft mit gefüllten Paprikaschoten nach italienischer Art oder handgemachten Tagliatelle. Aber auch die “deutsche Küche” ist vertreten, mit “Forelle in Riesling” oder “Kartoffel-Senf-Gratin mit fränkischen Bratwürsten”.  Das Buch besticht durch ausgefallene, interessante Kombinationen, die manchem Rezept einen multikulturellen Touch geben oder ein Gericht leichter machen. Hier möchte ich als Beispiel den klassischen “Kalten Hund” erwähnen, den ich bisher nur mit Kokosfett und Butterkeksen kannte und der mir immer viel zu üppig war. Die Autorin präsentiert eine gelungene Kombination aus Karamelkeksen mit Erdnussbutter, Schokolade und Sahne, die mir sehr viel besser gefällt.

Die einzelnen Rezepte sind übersichtlich angeordnet. Zuerst werden alle Zutaten aufgelistet, und darüber findet man einen Vermerk, für welche Stückzahl oder wie viele Personen die Menge gedacht ist. Auch die Erklärung der Zubereitung ist übersichtlich in einzelne Schritte gegliedert, und meist findet man am Ende noch Anregungen und Tipps für Variationsmöglichkeiten. Zu jedem Gericht gibt es ein ganzseitiges Foto.

“Rockthekitchen” bringt frischen Wind und Schwung in die Küche, und man kann den Titel durchaus wörtlich nehmen, denn festgefahrene Gewohnheiten oder herkömmliche Rezepte werden hier ganz schön aufgemischt. Mit dieser Fülle von Anregungen hat Langeweile beim Kochen absolut keine Chance. Ich für meinen Teil habe wieder ein neues Lieblings-Kochbuch gefunden.

 

Herzlichen Dank für die Überlassung eines Rezensionsexemplars an die Agentur Literaturtest und Edition Styria.